2 Eylül 2012 Pazar

Turkey Legal e-News August 2012

Anwältin in Istanbuls »Dorf des Richters« Ulya Selcuk: Expertin für deutsche Investitionen und türkische Frauenrechte - Am Europa-Institut in Saarbrücken studiert Von Heinz Gstrein - veröffentlicht in Main Echo - 28.08.2012 In Kadiköy, dem »Dorf des Richters« im asiatischen Teil von Istanbul, liegt an der »Bagdader Hauptstraße« 179 im zweiten Stock ein Stück türkisches Deutschland: Die Anwaltskanzlei von Frau Ulya Selcuk. Sie ist für die meisten Deutschsprachigen und -kundigen am Bosporus ein Begriff. Zudem ist sie eine moderne Türkin, die aber auch die Traditionen ihrer Heimat hoch schätzt. Sie zitiert den türkischen Mystiker Rumi: »Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann stark in die Zukunft treten, nur wer weiß, woher er kommt, kann unbeirrt seinem Weg folgen!«. Teilzeitjob am Goethe-Institut Schon daheim in Izmir hatte sie sich für die Deutsch-Abteilung eines Privatgymnasiums entschieden. Als Jurastudentin lernte sie dank eines Teilzeitjobs am Goethe-Institut ihrer Heimatstadt die deutsche Literatur und Kultur weiter kennen. Die Krönung ihres junges Leben war es, als Rotary International sie mit einem Sonderstipendium zum Studium an das Europa-Institut der Universität des Saarlandes schickte. Ihren Magister erwarb sie mit einer Thesis über die Haltung des EU-Wettbewerbsrechtes zu staatlichen Subventionen. 2001 gründete sie mit ihrem Bruder Ferudun Baha in Istanbul die Anwaltskanzlei »Selcuk & Selcuk«. Diese ist auf Rechtsberatung und andere Anwaltsleistungen für deutsche und sonstige ausländische Kapitalinvestoren in der Türkei spezialisiert. Frau Ulya sieht sich in ihrer Vermittlerrolle nicht als Ausnahme: »Ich fühle mich als Pionierin einer unaufhaltsamen Globalisierung der Türkei. Aber vergessen wir nicht: Privatschulen mit einer ausländischen Sprach- und Kulturtradition gibt es bei uns schon seit 150 Jahren. Ich bin auch ein Produkt dieser Tradition..« Besonders schätzt die Anwältin ihre Mitarbeit bei der deutschsprachigen Monatszeitschrift »Istanbul Post«: »Ihr Herausgeber Dr. Hibbeler ist der beste Zeitzeuge für den Aufschwung, den sowohl deutsche Investitionen wie auch die Niederlassung von Deutschen in der Türkei speziell seit der letzten Jahrtausendwende nehmen. Das ist genau die Zeit, in der ich meine Erfahrungen mit Klientinnen und Klienten aus Deutschland gewinnen konnte. So übernahm ich vor drei Jahren gern in der >Post< eine Spalte über die neuesten Entwicklungen der türkischen Gesetzgebung. So erhalten alle Leserinnen und Leser denselben Dienst, den wir sonst nur unseren Kundinnen und Kunden auf Deutsch und Englisch zusenden.« Auf die türkischen »Deutschländer« in der Bundesrepublik angesprochen, freut sich Ulya Selcuk, dass das längst keine überwiegende Gastarbeiterszene mehr ist: »Ich betrachte es als besonders positiv, wie viele erfolgreiche Wirtschaftstreibende, Künstler und Politiker türkischer Herkunft es bei Ihnen schon gibt. Sie sind es, die wahre Integrationswunder in und für Deutschland bewirken.« Auf die Frage, ob sie sich vor einer Re-Islamisierung ihrer Heimat fürchtet, antwortet die moderne, selbstbewusste und beruflich erfolgreiche Türkin: »Was wir in den letzten zehn Jahren beobachten und intensiv erleben, möchte ich als einen Selbstfindungs- und Neubestimmungsprozess der türkischen Gesellschaft interpretieren. Sie besteht überwiegend aus Muslimas und Muslimen, das ist wahr. Die bringen lang und fest verankerte Ansichtsweisen mit. Noch wichtiger sind aber die demokratische Änderung der politischen Strukturen, der wirtschaftliche Aufschwung und eine moderne Lebenskultur.« Atatürk und das Frauenwahlrecht Für Frauenrechte und vor allem für ihre praktische Durchsetzung wird in der Türkei nach wie vor gekämpft. Dabei hat Kemal Atatürk, der Vater der modernen Türkei, den Frauen schon 1930 das Wahlrecht gewährt, lange vor den Französinnen und vor allem den Schweizerinnen. Doch von anhaltender Gewalt gegen türkische Frauen und Mädchen weiß die Anwältin ein Lied zu singen: »Dieses Jahr wurde ein Gesetz verabschiedet, das jeden Staatsanwalt, jeden Polizisten verpflichtet, Frauen - ob verheiratet oder nicht - vor ihren Ehemännern, Ex-Gatten und sonstigen Verwandten wirksam zu schützen. Das bietet auch uns Anwältinnen und Anwälten die Handhabe, immer mehr positive Frauenurteile zu erwirken.« Parallel bezeichnet es Ulya Selcuk als ebenso wichtig, dass Türkinnen mit schmalen Einkommen durch Mikrofinanzprogramme eine selbstständige Arbeit ermöglicht wird. Den Rotariern eng verbunden Seit dem Studium in an der Uni in Saarbrücken fühlt sich Ulya Selcuk neben Deutschland den Rotariern eng verbunden. Derzeit ist sie Präsidentin im Rotary Club von Kurucesme am Bosporus. In dieser Eigenschaft veranstaltet sie an den 80 Handelskammern der Türkei Seminare über Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Das alles unter dem Motto: »Durch Wohltat zum Gewinn.«

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